Nur so können wir mitfühlen

Christinabewusst & erfüllt lebenKommentar hinterlassen

Kennst du das? Du möchtest jemandem unbedingt von etwas erzählen, was dich sehr bewegt. Doch währenddessen hast du das Gefühl, du kommst nicht an die Person ran. Sie hört zwar zu, aber eine Verbindung spürst du nicht. Es ist irgendwie unbefriedigend.
Oder vielleicht kennst du selbst solche Momente, in denen dir jemand etwas Emotionales mitteilen möchte, du aber irgendwie nicht so mitfühlen kannst, wie die andere Person es gern hätte. Woran liegt das?

Voraussetzungen für Mitgefühl

Damit wir mitfühlen können, müssen wir im richtigen „Modus“ sein. Wir können nicht mitfühlen, wenn wir gerade voll auf „funktionieren und abarbeiten“ eingestellt sind. Wir brauchen stattdessen die Verbindung zu unserer eigenen Gefühlswelt, wir müssen uns also mit uns selbst verbinden, bei uns sein. Wie sollen wir uns schließlich mit jemandem verbinden, wenn wir von uns selbst abgespalten sind? Damit wir uns mit anderen verbinden können, müssen wir also mit uns selbst verbunden sein.

„Ohne Zugang zum Ich kann man keinen Zugang zu anderen finden.“ – Anne Morrow Lindbergh

Doch damit wir mitfühlen können, spielt noch ein weiteres Element eine zentrale Rolle: Wo höre ich auf und wo beginnt der Andere? Was ist meins und was nicht? Dafür braucht es ein Bewusstsein für die eigene Ich-Grenze und die des Gegenübers.

Erstmal mag das noch etwas abstrakt klingen. Lass uns daher zunächst anschauen, warum dies so wichtig ist, schließlich sehnen wir uns alle nach tiefen Verbindungen. Es ist eines unserer Grundbedürfnisse.

Die Forscherin Brené Brown hat genauer untersucht, wie Verbindung entsteht. Sie definiert sie wie folgt: „Eine Energie, die zwischen Menschen entsteht, wenn sie sich gesehen, gehört und geschätzt fühlen; wenn sie geben und empfangen können, ohne be- oder verurteilt zu werden und wenn die Beziehung sie bereichert und stärkt.“* Wir müssen entsprechend achtsam sein, denn nur so können wir jemanden ganz bewusst und ohne zu beurteilen wahrnehmen. „Je besser wir darin sind, uns selbst und andere zu akzeptieren, umso mitfühlender werden wir“*, stellt Brown fest. Akzeptanz ist daher eine weitere Grundvoraussetzung für Mitgefühl.

Brené Brown bemerkte während ihrer qualitativen Forschungen eine weitere verblüffende Gemeinsamkeit mitfühlender Menschen: Sie sind sich ihrer Grenzen am stärksten bewusst.

Wer sein Gegenüber achtsam wahrnimmt, sich seiner Grenze und der des Gegenübers bewusst ist, der weiß beispielsweise, wer für was verantwortlich ist, was zu wem gehört; der verurteilt nicht, sondern kann wahrhaftig mitfühlen, wie es dem anderen geht, statt sich durch Projektionen in eigenen Themen zu verlieren. Grenzen sind also unerlässlich für Verbindung.

Kennst du deine Grenze? Und nimmst du auch die anderer wahr? Respektierst du deine und die Grenzen anderer?

Oder ignorierst du deine Grenze und verbiegst dich beispielsweise in der Hoffnung somit dazuzugehören? Brené Brown hat übrigens auch festgestellt, dass wahre Zugehörigkeit nur dann entstehen kann, „wenn wir der Welt unser authentisches, unvollkommenes Selbst zeigen“, weshalb der Grad unserer Selbstannahme entscheidend für unser Zugehörigkeitsgefühl ist*. Um Liebe und Zugehörigkeit wahrhaftig erfahren zu können, müssen wir außerdem davon überzeugt sein, dass wir es wert sind geliebt zu werden und dazuzugehören*.

Nur
wer ein klares Bewusstsein für seine Grenze hat,
wer weiß, was seins ist und was nicht,
wer sich angenommen hat, so wie er ist,
wer bei sich sein kann und
wer achtsam in der Begegnung ist,
kann sich wahrhaftig mit anderen verbinden.

Die Garten-Metapher als Hilfestellung

Um das Ganze greifbarer zu machen, möchte ich dir ein Modell vorstellen:

Wir alle haben einen psychisch-seelischen Innenraum. Diesen können wir uns als inneren Garten vorstellen, inklusive einer „Grenze“ nach außen. Wenn wir in unserem Garten sind, nehmen wir genau war, wie es uns geht und spüren dies auch körperlich. Dieser Garten ist lebendig und verändert sich stets mit uns. Dort kann vieles wachsen und gedeihen, wenn wir uns gut um ihn kümmern. Wenn wir ihn vernachlässigen, kann es dort allerdings auch sehr ungemütlich werden.

In unserem inneren Garten ist Raum für Bilder, Erfahrungen, Gefühle, Ansichten, Aufgaben und Verantwortung. Diese Elemente sind dynamisch und direkt oder indirekt miteinander verbunden. Sie können außerdem bewusst und unbewusst ausgetauscht werden (was von der Ich-Grenze abhängt) und bestimmen maßgeblich unser Wohlbefinden. Denn wer fühlt sich beispielsweise wohl, wenn all das Leid des Umfelds bei ihm im Garten abgeladen wird? Es wird dann immer ungemütlicher im eigenen Garten und ist irgendwann nicht mehr auszuhalten.

Gibt es eine Innenwelt und Grenze, so muss es zwangsläufig auch eine Außenwelt geben. Außerdem gibt es neben dem eigenen Garten natürlich die Gärten anderer Menschen. Somit ergeben sich theoretisch drei mögliche Aufmerksamkeitsstandorte (im eigenen Garten, außerhalb des Gartens, im Garten eines anderen) und verschiedene Richtungen der Aufmerksamkeit, die unterschiedlich erlebt werden. Mitfühlen ist dabei nur ein möglicher „Modus“, bei dem jeder bei sich ist und ein emotionales Mitschwingen möglich wird.

Dieses hier nur grob skizzierte Konzept geht auf Dr. med Klaus Blaser, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, zurück. Als ich immer tiefer in sein Boundary Based Awareness Modell eingetaucht bin, hat dies so viel in meinem Leben zum Positiven verändert, dass ich dankbar bin, aufgrund meiner Ausbildung bei ihm dazu beitragen zu können, auch anderen – und wenn du möchtest auch dir – mit diesem Modell weiterzuhelfen. Ich kann nun deutlich bewusster mit mir und anderen umgehen, was meine Lebensqualität immens gesteigert hat. Früher setzte ich keine Grenzen, war mir meiner eigenen Grenze nicht bewusst und lernte auf schmerzhafte Weise, wie wichtig es ist, für mich und meine Grenze einzustehen. Und ich durfte erfahren, wie viel erfüllender Beziehungen sind, wenn Grenzen gesetzt und respektiert werden, wenn ich mich somit authentisch zeigen kann, und wie viel näher ich dadurch jemandem sein kann – genau das, wonach ich mich früher gesehnt habe.

Wenn ich eine gute Ich-Grenze habe, kann ich mich mit meiner Umwelt verbunden fühlen, denn die Grenze reguliert den Austausch mit dem Umfeld (in beide Richtungen). Sie entscheidet, was durchkommen darf und was nicht, und bietet mir somit unter anderem Schutz und Geborgenheit und die Möglichkeit mich mit anderen zu verbinden (erfahre hier mehr über die Auswirkungen einer klaren Grenze).

Blaser sagt: „Wir verbinden uns, wenn jeder bei sich ist.“ Von unserem inneren Garten aus können wir uns mit anderen verbinden und mit ihnen mitfühlen, wenn sie ebenfalls in ihrem Garten sind.

Woran merke ich, ob ich in meinem Garten bin?

Letztlich sind wir immer mit uns verbunden (also in unserem inneren Garten), wenn wir spüren, wie es uns geht. Wir können es körperlich wahrnehmen. Wir sind dann mit unseren Gefühlen, Erfahrungen und allem, was in uns ist, verbunden. Ein paar bewusste Atemzüge und in sich Hineinspüren können einen schnell zu sich bringen.

Sind wir nicht in unserem inneren Garten, können wir nicht mitfühlen. Außerhalb unseres Gartens, im interpersonellen Raum, können wir dafür beispielsweise etwas analysieren, rational vorgehen und die Meta-Perspektive einnehmen. Das ist auch vollkommen in Ordnung, wenn dies gerade angemessen und stimmig ist. Daher eine kleine Anmerkung am Rande: Es geht nicht darum, immer nur bei sich zu sein, sondern flexibel und frei wählen zu können. Möchtest du mitfühlen, ist es wichtig, dass du bei dir sein kannst.

Wo bist du gerade?
Stell dir die Frage auch ruhig bei der nächsten Begegnung mit jemandem.

Möchtest du tiefer in das Thema einsteigen und wünscht dir eine langfristige Veränderung? Dann sei bei meinem nächsten achtwöchigen Intensiv-Training nach dem bewährten Konzept von Dr. med. Klaus Blaser dabei. Entdecke und gestalte deinen inneren Garten und trainiere einen bewussten Umgang mit deiner eigenen Ich-Grenze und der anderer. Hier gelangst du zu den Kursinfos: „Bei mir sein. Meinen Innenraum und meine Grenze bewusst gestalten. Wo bin ich? Achtsam mit mir und anderen den Alltag meistern“. Dort erfährst du auch, wie andere Teilnehmer vom Kurs profitiert haben.

Abschließend ein Zitat von Klaus Blaser:
„Im Reich unserer Gefühle, im Land unserer Erfahrungen dürfen wir König sein. Unsere Sicherheit, unsere Geborgenheit, unser Austausch mit der Umwelt und unsere Größe werden durch die Umzäunung, die Abgrenzung dieses Raums bestimmt.“

Wenn dich das Thema interessiert, habe ich für dich noch weitere Artikel:

Ich wünsche dir einen achtsamen Umgang mit dir und anderen sowie tiefe, erfüllende Verbindungen!

Alles Liebe

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