Warum es so wichtig ist, dass Du bei Dir bist und was Dir dabei hilft

Christinabewusst & erfüllt lebenKommentar hinterlassen

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Wer kennt das nicht: das Gefühl irgendwie neben sich zu stehen, sich gar fremd zu sein? Womöglich zugleich unsicher, unausgeglichen, getrieben, ruhelos, verloren, einsam. Der Wunsch „in sich zu ruhen“, „bei sich zu sein“ ist ein weit verbreiteter. Warum das für Dein Leben sogar von zentraler Bedeutung ist und nicht nur wünschenswert, erkläre ich Dir in diesem Beitrag.

Vorsicht: Wenn Du es begriffen hast, welches Ausmaß das hat, wirst Du definitiv etwas in Deinem Leben ändern wollen.

Wie wir uns von uns selbst entfernen

Das Gefühl nicht bei sich zu sein und sich womöglich sogar schon selbst fremd zu sein ist heute leider keine Seltenheit. Unser Alltag ist voll von Erfahrungen, die uns von uns weg ziehen:

Wir verlieren uns in den Problemen anderer, in unseren Smartphones, Tablets, Rechnern, Fernsehern und Spielekonsolen, wir stehen permanent unter Zeitdruck und Stress, mit Süchten versuchen wir uns zu betäuben, sei es mit Alkohol, Zigaretten, Arbeit, Shopping, Schokolade, Sex etc.

Es sind alles Ablenkungsmanöver, Ersatzbefriedigungen, denn letztlich ist all das einfacher, als bei uns selbst hin zu schauen. Wer ständig und womöglich gar durchgehend im Außen ist, vernachlässigt sein eigenes Innenleben. Alles, was nicht gepflegt wird, verwahrlost irgendwann. So kann es auch mit unserer eigenen Innenwelt geschehen. Vielleicht gibt es da auch einfach viel Unangenehmes, das wir versuchen zu verdrängen bzw. abzuspalten – so sehr, dass wir uns irgendwann gar von uns selbst abgespalten fühlen, weil wir nie gelernt haben, wie wir damit umgehen können.

Denn wenn wir etwas verdrängen, so tun wir das in der Regel, weil wir uns schützen wollen. Etwas Unerträgliches wird sinnvollerweise erstmal gut weggesperrt, weil es im Moment nicht aushaltbar ist. Wir kennen das sicherlich alle.

Aber nur, weil wir etwas verdrängen und auch die Erinnerung wegschließen, heißt das nicht, dass es uns nicht belastet. Die Belastung bleibt. Kommen zu viele davon zusammen, drücken sie uns zu Boden.

Doch wo sollen wir auch einen gesunden Umgang mit solchen Erfahrungen lernen? In den regulären Schulen, wird diesen Themen nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt und im eigenen Elternhaus wurden in der Regel alte Beziehungsmuster einfach fortgeführt ohne diese zu hinterfragen und alte unverarbeitete Verletzungen wurden unbewusst weitergegeben. Keinesfalls mutwillig. Und sicherlich auch nicht in allen Familien. Aber wenn Du diesen Text noch immer liest, wirst Du sicherlich Erfahrungen in dieser Richtung gemacht haben.

Abgespalten von uns selbst – und anderen

Wer nicht bei sich sein kann, weiß nicht, was ihn selbst ausmacht, hat keine Ahnung, was ihn wirklich erfüllt und erfreut, sondern muss sich außen orientieren und kann so nicht sein eigenes Leben leben; dem fällt es außerdem schwer für sich gute Entscheidungen zu treffen, der ist permanent auf der Suche, unausgeglichen, aber kann gar nicht richtig erfassen warum. Und den werden früher oder später körperliche Probleme belasten – ein Hilfeschrei, wie das Unbeachtete, Abgespaltene, tief im inneren Verborgene endlich auf sich aufmerksam machen will. Es ruft nach Integration.

Die wohl am größten erscheinenden Probleme, die daraus resultieren nicht bei sich zu sein, befinden sich auf der zwischenmenschlichen Ebene. Denn jeder von uns hat den Wunsch nach tiefen Verbindungen.

Kennst Du bereits meinen Artikel Was absolut notwendig ist, um tiefe Verbindungen eingehen zu können“ ?

Doch wie Nähe zulassen, wenn man selbst nicht bei sich sein kann?

Mit sich selbst verbunden zu sein ist die Basis für jede Verbindung nach außen.

Wie sollen wir uns schließlich mit jemandem verbinden, wenn wir von uns selbst abgespalten sind?

Wer sich selber nicht annehmen kann, wie er ist, wird in Beziehungen niemals ganz offen sein, sondern mehr oder weniger unbewusst Aspekte von sich verstecken wollen – vor dem anderen und sich selbst. Distanz als Schutz. Ohne Selbstannahme, -mitgefühl und -liebe entsteht kein Raum für wahre Verbindung. Im Anderen wird gesucht, was man sich selbst nicht geben kann. Damit überträgt man unbewusst dem Anderen eine Aufgabe, an der er nur scheitern kann.

Und wer sich selbst fremd ist, der kann auch nicht kontrollieren, was in sein Inneres eindringt. Fremdes kann einen ungeschützt überkommen, gar überschwemmen.

Wer sich selbst fremd ist, der lässt sich auch unbewusst leicht fremdbestimmen, weil er keinen Zugang zum eigenen Wertesystem hat. Und der passt sich häufig seiner jeweiligen Umgebung an. In mitten von Menschen kann er sich so doch fremd und einsam fühlen.

Wie sehr orientierst Du Dich an anderen? Versucht Du Dich ihnen anzupassen oder gerade aus Trotz genau das Gegenteil zu tun als die Masse? In beiden Fällen handelst Du nicht aus dem Innen heraus, sondern orientierst Dich an Anhaltspunkten im Außen. Die Wahrscheinlichkeit ist dann groß, dass Du nicht Dein eigenes Leben lebst.

Und willst Du womöglich ständig – ganz getrieben – etwas erreichen? Willst Du dabei vielleicht jedoch nur Dich selbst erreichen?

Der Weg zurück ist nicht leicht

Mit der Zeit wird der Wunsch, bei sich zu sein, nach innerer Ruhe und wahrhaftig zu sein, immer größer. Bei sich anzukommen erscheint begehrenswert, doch nicht jeder schafft es, den Weg gänzlich zu gehen. Meist muss der Leidensdruck groß sein, um überhaupt die Richtung einzuschlagen.

Wer sich von sich entfernt hat, tat dies nicht grundlos. Auf dem Weg zurück gilt es das Abgespaltene wieder in das eigene Leben zu integrieren. Teile des eigenen Lebens können nicht länger geleugnet werden.

Wer diesen Weg geht, der übernimmt die Verantwortung für sein Leben. Der hört auf, in fremden Stücken Rollen einnehmen, die nicht zu ihm passen. Stattdessen schreibt er sein eigenes Stück, in dem er die Hauptrolle spielt.

Eine Warnung für die Wegstrecke:

Die Integration ist anstrengend, jedoch lohnenswert.

Mit jedem abgespaltenen Teil verlieren wir ein Stück unserer Lebendigkeit. Integrieren wir es wieder, kehrt diese Lebendigkeit in unser Leben zurück. Energie wird freigesetzt, die zuvor dazu diente, das Abgespaltene zu unterdrücken.

Wie lebendig fühlst Du Dich gerade?

Hast Du etwas zu integrieren?

Wenn dem so ist, bin ich davon überzeugt, dass Du die Kraft dazu hast. Denn auch ich konnte peu à peu Kraft dazu aufbringen als ich schwer krank war. Der Fokus ist entscheidend. Manchmal muss es soweit kommen, dass uns das Leben dazu zwingt uns aufs Wesentliche zu konzentrieren. Bei mir war es so.

Was ich dabei gelernt habe und Dir als Anregung mit auf den Weg geben möchte, weil es einen gewaltigen Unterschied macht:

Du darfst Dir helfen lassen. Du hast bisher so viel alleine gestemmt, Du musst nicht immer alles alleine machen.

Und gib darauf Acht, nicht zu viel auf einmal zu wollen. Es geht hier nicht darum möglichst schnell ganz viel zu integrieren. Es geht darum Stück für Stück in einem für Dich richtigen Tempo den Weg zu Dir zurück zu finden.

Du hast so lange durchgehalten, Du bist großartig im Überleben! Daher weiß ich, dass Du auch noch die Kraft für die nächsten Schritte hast.

Was Dir dabei helfen kann

Falls es Dir schwer fällt, überhaupt wahrzunehmen was gerade dran ist, übe Dich darin, Deinen Körper zu spüren. Darüber kannst Du auch wieder einen besseren Zugang zu Deinen Gefühlen finden. Wie das geht? Durch einen achtsamen Umgang mit Deinem Körper (beispielsweise mit dem Body Scan) oder achtsames nach innen schauen (beispielsweise beim Meditieren, was Dir dabei hilft, erfährst Du hier).

Weitere Übungen, die leicht in den Alltag zu integrieren sind, habe ich in dem Beitrag „Was absolut notwendig ist, um tiefe Verbindungen eingehen zu können“ vorgestellt.

Die Hindernisse Scham, Angst und Resignation sollten Dich übrigens nicht davon abhalten weiter nach innen zu schauen. Sie werden wahrscheinlich auftauchen, denn das Verdrängte hast Du schließlich nicht grundlos beiseite geschoben. Auch diese Gefühle wollen einfach wahrgenommen werden. Und sie wollen letztlich Dein bestes.

Häufig ist übrigens das Verhältnis zum eigenen Leid gestört: „Es ist nicht der Rede wert.“

Ich habe dies ebenfalls erfahren und erst als ich es wirklich angenommen habe, hat sich für mich grundlegend der Umgang mit mir verändert und meine Gesundheit hat sich weiter verbessert.

Dabei und auch in vielen weiteren Kontexten half mir folgender Perspektivwechsel:

Wäre es meiner besten Freundin geschehen, wie würde ich mit ihr umgehen?

Denn nur wer mit sich selbst mitfühlend umgehen kann, findet ganz zu sich zurück, der braucht nichts weiter vor sich selbst zu verstecken.

Mehr zu sich zu kommen heißt auch, dem Kopf das Herz als Kollegen vorzustellen. Es ist ein guter Berater bei Entscheidungen. Du könntest entsprechend öfter fragen, was Dein Herz zu sagen hat. Wenn Dein Kopf erkennt, dass es keine Konkurrenz ist, sondern auch nur Dein Bestes will und eine hilfreiche Unterstützung ist, können sie Dich zusammen durchs Leben navigieren.

Zu sich zu kommen heißt übrigens nicht, nur noch alleine auf seiner eigenen Insel zu sitzen. Wir brauchen den Kontakt mit anderen – auch um uns selbst zu erfahren. Jeder Kontakt kann uns dabei ein Stückchen näher zu uns selbst bringen, wenn wir es zulassen:

Was hat mich am Anderen gestört?

Was hat mir am Anderen gefallen?

Wie wir auf das reagieren, was wir außerhalb von uns wahrnehmen, hat immer etwas mit unserem Inneren zu tun. Es kann Dir aufzeigen, was Du bei Dir selbst ablehnst oder magst, es kann Dir verdeutlichen, was Dir wichtig ist und was nicht und vieles mehr.

In tiefgründigen gemeinsamen Erfahrungen können wir uns peu à peu ein Stückchen näher kommen, Altes wiederentdecken und bewusst unseren Erfahrungsschatz erweitern.

Wer zu sich kommt, der wird feststellen, was nicht mehr passt und was stimmig(er) ist. Veränderungen gehören entsprechend zum Prozess dazu.

Es bedeutet zu erkennen, mit wem man auf einer Wellenlänge schwimmt und mit wem nicht. Es ist ein normaler Prozess öfter anzuecken auf dem Weg zu sich selbst. Sich selbst zu entdecken heißt auch zu erkennen, wie man sich von anderen unterscheidet und es bewusst zu leben. Es bedeutet auf den eigenen inneren Kompass zu hören und dadurch beispielsweise auch wählerischer zu sein, mit wem und was man seine Zeit verbringt.

Sich selbst näher zu kommen und anzunehmen ist die Grundvoraussetzung für Selbstliebe, für einen gesunden Selbstwert.

Warum das nichts mit Egoismus zu tun hat

Mehr bei sich zu sein und sich unter anderem an den eigenen Bedürfnissen auszurichten mag für einige egoistisch erscheinen. Ich selber habe einen langen Weg hinter mir, auf dem ich immer wieder infrage gestellt habe, ob ich mir selbst so viel Raum nehmen darf. Dabei habe ich etwas ganz zentrales begriffen, das mir half, überhaupt meine Bedürfnisse ernst zu nehmen:

Wer sich selber achtet und gänzlich annimmt, wird auch respektvoll mit den Bedürfnissen der Mitmenschen umgehen und der kann die Andersartigkeit der Menschen annehmen, ihnen respektvoll und wertschätzend auf Augenhöhe begegnen.

Wer egoistisch ist, der setzt andere ein, um sich wohl zu fühlen.

Wer sich selbst liebt und entsprechend respektvoll mit seinen Mitmenschen umgeht, der instrumentalisiert sie nicht für seine Zwecke.

Die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, das Leben nach den eigenen Werten auszurichten, die eigene Andersartigkeit zu leben, sie auch bei anderen wahrzunehmen und zu akzeptieren, bedeutet würdevoll zu leben.

Was die Wissenschaft dazu sagt

Die Sozial-Forscherin Brené Brown befasst sich seit vielen Jahren mit dem Thema menschlicher Verbindung. Ihre Forschung bestätigt:

Wer liebenswert mit sich selbst umgeht, kann dies auch mit anderen und wirklich mitfühlen. Nur wenn wir uns wirklich annehmen und authentisch zeigen, wie wir sind und nicht wie wir glauben sein zu müssen, können wir wahre Verbindungen eingehen. Authentizität ist eine Grundvoraussetzung für Verbindung.

Brown fiel bei ihrer Forschungsarbeit auf, dass Menschen, die ein tiefes Gefühl der Liebe und Zugehörigkeit haben, glauben, dass sie der Liebe und Zugehörigkeit würdig seien.

Willst Du mehr darüber erfahren, kann ich Dir Brené Browns Arbeit sehr ans Herz legen. Schau Dir hier als Einstieg einen ihrer Vorträge an: Die Macht der Verletzlichkeit.

„Wenn wir sagen können: ‚Ich bin genug.‘ dann hören wir auf zu schreien und beginnen zuzuhören, sind liebevoller und freundlicher zu den Menschen um uns herum, und sind liebevoller und freundlicher zu uns selbst.“ – Brené Brown

Gehe kraftvoll Deinen Weg

Der Weg zu sich selbst ist vielfältig, so vielfältig wie wir Menschen. Es kann ein langer Prozess sein, je nachdem, wie weit sich die Person von sich entfernt hat.

Was kannst Du jetzt tun, damit Du zu Dir kommst?

Denn Du kannst Dir jederzeit einen Schritt näher kommen.

Willst Du Dich auf den Weg zu Dir machen?

Falls Du Dir Unterstützung wünscht, bin ich gerne ein Stück Dein Wegbegleiter, beispielsweise mit Coachings oder dem bewährten 8-Wochen-Training „Bei mir sein. Meinen Innenraum und meine Grenze bewusst gestalten.

Ich wünsche Dir eine kraftvolle Reise, bereichernde Wegbegleiter und vor allem ein gutes Ankommen!

Alles Liebe

 

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