Warum Deine Tränen so wichtig sind

Christinabewusst & erfüllt lebenKommentar hinterlassen

Rosen

Früher wollte ich nicht weinen, keine Schwäche zeigen. Doch Tränen gehören zum Leben dazu, das habe ich durch meine Arbeit und eigene Erfahrungen begriffen. Wer Tränen unterdrückt, sammelt diese in einer Art Speicher ungeweinter Tränen, der das Leben beschwert. Durch jede ungeweinte Träne, wird ein Teil der eigenen Lebendigkeit unterdrückt und langfristig leidet die Gesundheit.

Ja, ich gebe zu, das mag drastisch klingen. Doch ich habe schon oft genug die Auswirkungen vom Weinen erlebt – sei es bei Menschen, die ich begleiten darf, oder bei mir selbst. Es ist erleichternd, häufig sogar befreiend und meist sehr heilsam.

Und doch erlauben wir uns kaum zu weinen oder unterdrücken es zumindest so lange, bis der passende Trigger daher kommt und der Damm bricht.

Ich wünsche mir, dass wir wieder weinen (können), wenn uns danach ist. Ich wünsche mir, dass Weinen nicht länger unter einem Schammantel verdeckt wird. Denn Weinen gehört zum Erblühen dazu.

Deshalb habe ich hier die Vorteile vom Weinen für Dich zusammengefasst und anschließend ein paar Gedanken, was wir beim Weinen brauchen und was nicht. So kannst Du Dir und Deinen Liebsten den Raum fürs Weinen (wieder) öffnen.

Unterschiedliche Tränen und warum wir sie brauchen

Es gibt drei verschiedene Arten von Tränen: basale Tränen, Reflextränen und emotionale Tränen.

  • Basale Tränen befeuchten unsere Augen und versorgen sie beispielsweise mit Nährstoffen. Diese haben wir jederzeit.
  • Reflextränen dienen dazu, unsere Augen vor Reizen zu schützen und zum Beispiel Staubkörner oder andere Stoffe aus dem Auge zu spülen.
  • Und dann gibt es die emotionalen Tränen. Diese können beispielsweise Ausdruck von Trauer, Wut, Frustration, Hilflosigkeit, Angst oder auch Freude, Dankbarkeit oder Erleichterung sein.

Dr. William Frey hat sogar herausgefunden, dass sich diese Tränen in ihrer Zusammensetzung unterscheiden. Reflextränen bestehen beispielsweise zu 98% aus Wasser. Emotionale Tränen wiederum beinhalten Stresshormone und andere Toxine, die somit aus dem Körper ausgeschwemmt werden.

Warum Weinen so wichtig und gesund ist

Das Weinen bzw. unsere Tränen sind jedoch noch nicht ausgiebig erforscht worden. Studien deuten darauf hin, dass Weinen die Endorphin-Produktion ankurbelt, wodurch wir uns besser fühlen. Aus wissenschaftlicher Perspektive gibt es jedoch noch viele offene Fragen, wie Weinen unsere Stimmung positiv beeinflusst.

Dass es uns langfristig schadet und enormen unsere Gesundheit belastet, wenn wir unsere Emotionen unterdrücken, konnte die Forschung jedoch bereits feststellen. Allein aus diesem Grund lohnt es sich zu weinen ;-)

Hinzu kommt, dass wir beispielsweise unser Verbundenheitsgefühl zu jemandem stärken können, wenn wir uns mit unseren Gefühlen ganz authentisch zeigen können und der andere uns dafür den Raum gibt (mehr dazu weiter unten; lies dazu auch meinen Artikel „Ich will keine Maske mehr tragen – mein persönliches Plädoyer für mehr Authentizität und Gefühl„).

Ob wir uns eingestehen zu weinen, wird dabei maßgeblich von unseren bisherigen Erfahrungen beeinflusst und somit sowohl von unserer Kultur, der Gesellschaft, unserem Umfeld als auch von unserem engsten Kreis.

Falls Du ein schwieriges Verhältnis zu Tränen hast (und ich vermute, dass dem so ist, wenn Du bis hierhin gelesen hast), dann möchte ich Dir einen Umgang damit vorschlagen, der Dir wahrscheinlich neu ist. Vielleicht möchtest Du zukünftig einfach mal wie eine Art Experiment austesten, was sich dadurch ändert und wie es sich beim Weinen und danach anfühlt.

Zum gesunden Umgang mit emotionalen Tränen

Weinen gehört genauso wie Lachen zu unserem Leben dazu. Wir können das eine nicht ohne das andere haben. Unterdrücken wir unsere Tränen, wird uns früher oder später auch das Lachen vergehen.

Und wenn wir uns emotional verschließen, können wir auch unser Bedürfnis nach Verbindung nicht befriedigen.

Ein achtsamer Umgang mit unseren Gefühlen ist der Schlüssel. Einer meiner Lehrer, Dr. med. Klaus Blaser, von dem ich viel über den achtsamen Umgang mit mir selbst und meinen Mitmenschen gelernt habe, nutzt dafür folgende drei Schritte, die so hilfreich sind, dass sie mir förmlich in Fleisch und Blut übergangen sind:

  1. Nimm wahr

„Wie geht es mir jetzt gerade?“

  1. Benenne (oder umschreibe zumindest) das Gefühl

„Was nehme ich wahr?“

  1. Stimme dem Gefühl zu (immer und immer wieder)

„Das ist in Ordnung, dass ich jetzt Trauer verspüre. Ich stimme dieser Trauer zu.“

Wer diesen Schritten folgt, verdrängt oder ignoriert seine Gefühle nicht (länger). Die Tränen dürfen da sein.

Und so entsteht eine Offenheit für das, was das Gefühl mitzuteilen hat. Denn jedes Gefühl möchte uns eigentlich auf unserem Weg helfen – entsprechend auch jene Gefühle, die Tränen auslösen.

Mehr kannst Du in Klaus Blasers Gefühlsmanifest Gefühle entdecken und achten* erfahren. Oder ich begleite Dich auch gerne bei Deinem Prozess, helfe Dir wieder Zugang zu und einen passenden Umgang mit Deinen Gefühlen zu finden.

Was Du nicht brauchst, wenn Du weinst

Wir können entweder für uns alleine weinen oder in der Gegenwart anderer.

Im Beisein eines anderen zu weinen, kann jedoch auch ganz schön schwierig sein und teilweise sogar zusätzliche unangenehme Gefühle hervorrufen. Daher ist hier einmal eine „Liste“, auf welche Reaktionen Du beim Weinen verzichten kannst:

  • Du brauchst niemanden, der rationalisiert, warum Du jetzt nicht weinen brauchst.
  • Du brauchst auch niemanden, der Dir das Gefühl, weshalb Du gerade weinst, abnimmt und den Du im Anschluss wieder aufbauen musst.
  • Du brauchst auch niemanden, der Dich idealisiert, und es nicht wahrhaben will, dass Du menschlich bist und eben auch mal weinst.
  • DU brauchst auch niemanden, der Dir sagt: „Wie konntest Du es so weit kommen lassen?“
  • Du brauchst auch niemanden, der Deine Gefühle versucht klein zu reden, behauptet, Du würdest übertreiben und alles sei gut.
  • Du brauchst auch niemanden, der beginnt zu sagen: „Wenigstens hast Du…“
  • Du brauchst auch niemanden, der Dir sagt: „Stell Dich nicht so an!“
  • Du brauchst auch niemanden, der Deine Gefühle als Sprungbrett nutzt, um dann nur über seine eigenen zu sprechen, ganz nach dem Motto: „Das ist ja nichts im Vergleich zu dem, was ich erlebt habe!“

Was Du stattdessen brauchst, wenn Deine Tränen fließen

Du brauchst jemanden, der Dir einen Raum bietet, in dem Du Dich zeigen kannst, so wie Du bist, mit Deinen Gefühlen, mit Deinem Thema. Es sollte jemand sein, der Dir einfach nur zuhört, wenn Du Dir etwas von der Seele redest – ohne gut gemeinte Ratschläge zu erteilen (es sein denn, Du möchtest sie hören und bittest darum).

Und sei es, dass die Person nur sagt: „Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Aber ich bin so froh, dass Du mir gesagt hast, was los ist.“ und sie Dir dann all den Raum gibt, den Du brauchst.

Wen gibt es in Deinem Leben, der Dir diesen Raum geben kann?

Wem gegenüber kannst Du Dich öffnen und verletzlich zeigen? Wähle sorgfältig. Hast Du die richtige Person oder Personen gefunden, so wirst Du belohnt mit einer Verbindung, die nährend, stärkend für Euch ist – eine Beziehung, in der sich jeder zeigen kann, wie er oder sie ist.

Weiterführend erfährst Du hier, woran es liegt, wenn es mit dem Mitfühlen nicht klappt.

Und ein kleiner Tipp am Rande: Wenn Dich im Berufsalltag Tränen überkommen, dann zieh Dich zurück. Sei es durch einen kurzen Toilettengang oder mach einen Spaziergang, wenn Du Dir die Zeit dafür nehmen kannst. Und vielleicht gibt es sogar eine eng vertraute Person, der Du Dich öffnen kannst.

Mein Verhältnis zum Weinen

Weinen wird heutzutage leider hierzulande als Schwäche angesehen. Doch ich muss gestehen, dass ich es viel beeindruckender finde, wenn jemand wirklich zu seinen Tränen steht und sie einfach fließen lässt.

Doch so sah das nicht immer bei mir aus. Im Gegenteil: Lange konnte ich zu meinen eigenen Tränen nicht stehen und wenn jemand in meiner Gegenwart weinte, habe ich versucht, den Fokus aufs Positive zu lenken, damit die Tränen versiegen.

Heute erlebe ich sowohl als Weinende als auch als jene, die dabei sein darf, wenn jemand weint, wie heilsam es ist, einfach Raum zum Weinen zu haben.

Ich weine heute immer mal wieder – aus Trauer, Frust, Freude, Erleichterung etc. Ich unterdrücke meine Tränen nicht länger. Und es tut so gut! Es hilft mir, in Balance zu bleiben. Und seitdem ich mir das Weinen erlaube, fällt es mir deutlich leichter, meine alten Wunden zu heilen. Ich spüre, wann es alte Tränen sind und gebe ihnen den Raum, den ich ihnen zuvor nicht bieten konnte.

So lerne ich immer mehr über mich, über meine Vergangenheit und zugleich verliert sie zunehmend ihre Kraft über mein heutiges Leben. Die alten Wunden dürfen so heilen. Und dadurch, dass ich die alten Tränen weine, die alten verdrängten Gefühle fühle, darf ich auch immer mehr intensive angenehme Gefühle erleben. Dann bade ich förmlich in Dankbarkeit, Freude, Genuss – und so sind auch immer häufiger Freudentränen dabei.

Ich wünsche mir daher einen gesunden Umgang mit unseren eigenen Tränen und den Tränen anderer. Wer seine Tränen zulässt, zeigt sich menschlich, authentisch und zugleich mutig in unserer heutigen Gesellschaft.

Wie stehst Du zu (Deinen) Tränen?

Wann hast Du zuletzt geweint? Wann war Dir zuletzt danach zu weinen?

Kannst Du in Gegenwart eines anderen Menschen weinen?

Wie gehst Du eigentlich damit um, wenn jemand in Deiner Gegenwart weint?


Ich wünsche Dir einen gesunden Umgang mit Deinen emotionalen Tränen!

Alles Liebe

PS: Wie wunderschön und einzigartig jede Träne ist, zeigt der Fotograf Maurice Mikkers unter dem Mikroskop.

 

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