Die größten Mythen über Grenzen [+Beispiele]

ChristinaVerbindung & GrenzenKommentar hinterlassen

Mythen über Grenzensetzen

Es gibt Mythen über Grenzen, die uns das Leben ganz schön schwer machen können. Meist behindern oder verkomplizieren sie sogar tiefe Verbindungen, die doch gerade das sind, wonach wir uns so sehr sehnen.

Lass uns also einen Blick auf die größten Mythen werfen. Und an fiktiven Beispielen werde ich Dir zeigen, warum sie so problematisch sind und warum sie sich dennoch so hartnäckig halten.

Interessiert?

Sehr gut!

Denn zugleich kannst Du für Dich prüfen, wo Du möglicherweise einem dieser Mythen auf den Leim gegangen bist. 

Zunächst gilt es jedoch grundlegend zu klären, was mit „Grenze“ überhaupt gemeint ist.

Was ist die Ich-Grenze?

Wenn ich hier von Grenzen spreche, dann orientiere ich mich an der Definition von dem Psychologen und Psychiater Dr. Klaus Blaser, bei dem ich die Ausbildung zum Boundary Based Awareness Counselor and Coach (Coach zur Stärkung des Ich-Grenzbewusstseins) absolviert habe. Sein Boundary Based Awareness Modell (Grenzenbasiertes Achtsamkeitsmodell) ist ein grundlegendes Modell, an dem ich mich seit Jahren in meiner Arbeit orientiere. Und auch im privaten Bereich ist es für mich eine enorme Bereicherung. 

Hast Du davon schon in anderen meiner Grenzen-Beiträge gelesen, dann kannst Du direkt zum ersten Mythos springen. Wenn nicht oder wenn Du Dir nochmal klarer vor Augen führen willst, was die Ich-Grenze ist, dann gebe ich Dir hier einen kurzen Überblick.

Jeder Mensch verfügt über einen psychisch-seelischen Innenraum. Dieser beinhaltet Bilder, Erfahrungen, Gefühle, Ansichten, Aufgaben und Verantwortung. Die Grenze des Innenraumes ist die Ich-Grenze. Diese Ich-Grenze hat viele wichtige Funktionen, zum Beispiel grenzt sie ab was zu uns gehört und was nicht. Unsere Grenze beeinflusst, wer oder was uns berührt oder auch nicht. Sie reguliert, filter und fördert den Austausch (sowohl von außen nach innen, also auch von innen nach außen). Somit kann sie uns Schutz und Geborgenheit bieten. Je nach Beschaffenheit der Grenze wirken wir zudem auf andere („sie ist total offen“ oder „er hat dicht gemacht“).

In den Beispielen wird gleich deutlicher, wie sich dies im Alltag bemerkbar machen kann.  

Mythos: Mit Grenzen schotten wir uns ab 

Grenzen grenzen etwas ein. Logisch, dass da schnell die Bedenken kommen „Ich will mich nicht isolieren“.

Und tatsächlich gibt es Menschen, die sich so sehr eingrenzen, dass sie für andere unerreichbar, unnahbar wirken. Metaphorisch gesehen haben sie eine dicke Mauer um sich herum aufgebaut. Dies ist jedoch in der Regel aufgrund eines Schutzmechanismus, der einst half, ein schwieriges Erlebnis (oder mehrere) zu überstehen.

Es ist jedoch ein Unterschied, ob ich klare Grenzen habe und im Kontakt weiß, wo ich aufhöre und der andere anfängt, welche Vorstellung zu mir gehört und welche die meines Gegenübers ist. Oder ob ich mich so sehr „einmauere“, dass ich möglichst nichts mehr an mich ran lasse.

Gesunde Grenzen ermöglichen überhaupt erst einen klaren Austausch. Sie filtern beim Austausch was rein und raus geht.
So sagt Dr. Klaus Blaser: „Ein guter Filter lässt belastende, hemmende, destruktive fremde Erfahrungen, Gefühle, Bilder und Überzeugungen aussen vor und heisst nährende, unterstützende, kraftgebende Erfahrungen, Gefühle und Bilder willkommen.“

Mit einer gesunden Grenze schottet man sich also nicht ab. 

Indem ich klar für mich bin, was zu mir gehört, und was nicht, wer ich bin und wer nicht, kann ich auch klar im Austausch sein und bin greifbar für mein Gegenüber. Dann kann ich bewusst in den Austausch gehen. Gesunde, klare Grenzen sind also die Basis für den Austausch mit anderen.

Es geht sogar noch weiter: Gesunde Grenzen sind die Voraussetzung für authentische Verbindungen. 

Das klingt jetzt erstmal irritierend. Als ich das wirklich begriffen habe, hat das ehrlich gesagt gefühlt alles für mich verändert. Und da dies mit den weiteren Mythen sehr Hand in Hand geht, gehe ich im Folgenden in weiteren Beispielen darauf ein, sodass dies für Dich auch greifbarer wird.

Zunächst halten wir fest:

Gesunde Grenzen schotten uns also nicht ab. Sie ermöglichen authentische Verbindungen und den Austausch untereinander.

Mythen über Grenzen

Mythos: Ohne Grenzen können wir Konflikte vermeiden

Beginnen wir mit einem Beispiel:

Janina hat keine klaren Grenzen. Sie ist wie eine Art Chamäleon und passt sich stets an ihr jeweiliges Umfeld an. Ist sie im Sportverein, so entspricht ihre Meinung der generellen Meinung ihrer Sportskollegen. Ist sie bei der Arbeit, dann formt sich ihre Meinung entsprechend der Meinung ihrer Kollegen um. Das geschieht völlig unbewusst. Sie möchte förmlich mit den anderen verschmelzen und es soll so harmonisch wie möglich sein. In ihrem unbewussten Wunsch mit ihrem Gegenüber zu verschmelzen übertritt sie unbewusst auch immer wieder die Grenzen ihres Gegenübers. So mischt sie sich in die Angelegenheiten aller Menschen um sich herum ein.

Sie möchte beispielsweise das Beziehungsproblem ihrer Kollegin mit lösen. Diese zieht sich jedoch mehr und mehr vor Janina zurück. Eines Tages eskaliert die Situation als Janina ihrer Kollegin wohlwollend einen Kaffee bringt und diese sie forsch abweist. Das Drama nimmt seinen Lauf und Janina versteht die Welt nicht mehr. Sie hat sich doch so sehr bemüht, ihrer Kollegin zu helfen.

Wie konnte es dazu kommen? Janina hat sich in eine Angelegenheit eingemischt, die nicht ihre war. Für die Kollegin war es unangenehm, sie wollte Janinas Hilfe nicht. In diesem Fall hat sie zunächst durch Rückzug versucht aus der Situation heraus zu kommen. Janina bemühte sich jedoch nach wie vor darum, ihr zu helfen. Die Grenzüberschreitung hat bei ihrer Kollegin schließlich zu einer forschen Abwehrreaktion geführt, die ein Drama in Gang brachte.

Selbst wohlwollendes Verhalten kann also zu Konflikten führen. Wenn wir unsere eigenen und die Grenzen unseres Gegenübers achten, dann werden zumindest Konflikte vermieden, die durch Grenzüberschreitungen entstehen.

Ein weiteres Beispiel: Jan geht mit allem mit, was seine Freundin sagt. Doch in ihm breitet sich mehr und mehr ein ungutes Gefühl aus. Er kann eigentlich nicht allem zustimmen, was sie sagt, tut und was sie auch von ihm verlangt. Als er zum wiederholten Male seinen Männerabend absagen soll, weil sie lieber mit ihm einen ruhigen Fernsehabend zuhause verbringen möchte, kann er sich nicht mehr zurückhalten. Sein aufgestauter Ärger, weil er sich so lange zurückgehalten hat, platzt aus ihm heraus. Sie weiß gar nicht, wie ihr geschieht, denn bisher hat Jan stets kommuniziert, dass er kein Problem damit hat, seinen Männerabend für sie abzusagen. 

Dieses Beispiel zeigt deutlich auf, was geschehen kann, wenn wir versuchen, grenzenlos im Miteinander zu sein und uns selbst mehr oder weniger aufgeben:  Wenn wir uns dadurch „verstellen“, vermitteln wir ein Bild von uns, das uns nicht wirklich entspricht. Wir zeigen uns also nicht wirklich. Da bedeutet zum einen, dass unser Gegenüber uns gar nicht wirklich begegnen kann, und zum anderen ist es ein Grundstein für Missverständnisse und Konflikte, die auf Basis falscher Annehmen entstehen.

Besteht keine gesunde Grenze und fehlt ein funktionierender Filter kann es außerdem zu Externalisierungen und Projektionen kommen. Es wird also unbewusst etwas eigenes nach außen getragen. Sei es, dass sich jemand über jemanden aufregt und meint, dieser Mensch sei geizig, dabei jedoch übersehen wird, in welchen Bereichen derjenige selbst geizig ist. Oder nehmen wir mal an, jemand regt sich darüber auf, dass ein anderer viel zu gut drauf ist, selbst erlaubt man sich jedoch kein bisschen Freude. Das beides zu Konflikten führen kann, liegt auf der Hand.

Halten wir also fest:

Unklare Grenzen verursachen zusätzliches Konfliktpotenzial.

Mythos: Wahre Liebe braucht keine Grenzen

Schauen wir uns direkt eine weitere Annahme an, die häufig zu Problemen in Beziehungen führt: In einer Beziehung, die auf wahrer Liebe beruht, braucht es keine Grenzen. 

Wie in den obigen Beispielen bereits deutlich geworden sein sollte, wird durch unsere Ich-Grenze klar, was uns ausmacht und was nicht. Wie soll jemand jemand anderen lieben, wenn dieser Mensch gar nicht „greifbar“ ist? Eine gesunde Ich-Grenze ermöglicht klar zu unterscheiden, wofür der jeweilige Mensch steht und wofür nicht.

Jeder Mensch ist ein Individuum. Somit wird es auch immer gewisse Unterschiede zwischen Menschen in einer Partnerschaft geben. In einer Beziehung, in der beide gesunde Grenzen haben, darf also jeder seine eigene Meinung haben. In manchen Bereichen gibt es Überschneidungen, in anderen Differenzen – das ist ganz normal und menschlich. Es ist in Ordnung, auch mal nicht einer Meinung zu sein.

Brené Brown, die als Professorin an der University of Houston forscht, kam nach jahrelanger Arbeit zu dem Ergebnis, dass die Menschen, die besonders beziehungsfähig und mitfühlend sind, jene mit guten Grenzen sind.

In ihrem Buch „Atlas of the Heart: Mapping Meaningful Connection and the Language of Human Experience“ schreibt sie: „Boundaries are a prerequisite für compassion and empathy. We can‘t connect with someone unless we‘re clear about where we end and they begin. If there‘s no autonomy between people, then there‘s no compassion or empathy just enmeshment.“

Übersetzt: „Grenzen sind eine Voraussetzung für Mitgefühl und Empathie. Wir können uns nicht mit jemandem verbinden ohne uns klar darüber zu sein, wo wir anfangen und andere beginnen. Wenn es keine Autonomie zwischen einzelnen Menschen gibt, dann gibt es kein Mitgefühl und keine Empathie, nur Verstrickungen.“ 

Grenzen sind also Voraussetzung für Mitgefühl und Empathie (ausführlicher gehe ich hier darauf ein), was eine wesentliche Basis für eine gesunde Beziehung darstellt.

Gesunde Grenzen ermöglichen einander wahrhaftig zu begegnen. Es ist klar, was den anderen ausmacht und was nicht. Es gibt keine ungesunden Verstrickungen.

In einer gesunden Beziehung mit gesunden Grenzen gibt sich zudem einer nicht völlig für den anderen auf, wie es bei der Co-Abhängigkeit der Fall ist. Klare und gesunde Grenzen schützen vor dieser ungesunden Beziehungsdynamik. In einer Beziehung mit gesunden Grenzen wird der eigene Innenraum nicht vernachlässigt. Und zugleich bereichern sich beide gegenseitig ihre Innenräume. 

Lass uns ganz kurz beleuchten, was mit Co-Abhängigkeit gemeint ist: Es bedeutet, dass jemand innerhalb einer Beziehung emotional vom anderen abhängig ist. Jemand ist co-abhängig, wenn er oder sie sich für das Wohlergehen, die Entscheidungen, den Erfolg etc. des anderen verantwortlich fühlt. Der andere wird zum Dreh- und Angelpunkt des eigenen Lebens. Eigene Bedürfnisse, Interessen etc. werden ausgeblendet. Es geht nur noch um den anderen. Im Extremfall erscheint das Leben ohne den anderen sinnlos, was mit Verlustängsten, Eifersucht und zwanghaftem Klammern einher geht.

Gesunde und klare Grenzen hingegen ermöglichen Interdependenz. Es gibt sich also keiner für den anderen auf. Jeder ist mit seinen Bedürfnissen und Interessen, mit seinem so Sein in der Beziehung. Und da wir Menschen alle Individuen sind, wird es Unterschiede zwischen beiden geben. Das ist in Ordnung. Klar gibt es dann auch mal Kompromisse, dass einer dem anderen zu Liebe etwas tut. Doch das ist nicht einseitig, sondern erfolgt auch anders herum. Interdependenz ist also ein ausgewogenes Aufeinander-Bezug-nehmen. Zudem ist es auch für beide in Ordnung, wenn jemand etwas für sich macht. Jeder kann seinen Interessen auch eigenständig nachgehen. Es kann natürlich einen gemeinsamen Freundeskreis geben, aber eben auch Freunde, mit denen man unabhängig voneinander etwas unternimmt.

Jeder ist ein Individuum. Man sollt sich nicht gänzlich in der Beziehung verlieren. Das schließt jedoch nicht aus, dass es nicht auch Einheitserfahrungen geben kann ;-) Aber im Alltag besteht eine Beziehung aus zwei Individuen, die sich dazu entschieden haben, gemeinsam Zeit zu verbringen und sich gegenseitig zu bereichern. 

Ich möchte noch ein Beispiel einbringen, dass eine weitere zentrale Thematik darstellt: Carsten ist in einer Beziehung mit Jutta. Sie beschwert sich jedoch, dass er gar nicht richtig „präsent“ ist. Tatsächlich ist es so, dass er seit einem traumatischen Erlebnis in seiner Jugend nicht ganz bei sich ist. Er ist in den Kopf „geflüchtet“, seinen Innenraum meidet er. Indem er jedoch nicht bei sich ist, kann er nicht wirklich eine Verbindung mit Jutta eingehen. Klar, sie verbringen Zeit miteinander und er weiß darum, was für eine tolle Frau sie ist, doch beide verstehen nicht, wieso sie sich nicht wirklich verbunden fühlen können. 

Wahrhaftig verbinden können wir uns nur miteinander, wenn jeder bei sich ist. Denn wie soll das gelingen, wenn wir von uns selbst abgespalten sind? Ausführlich bin ich an anderer Stelle bereits darauf eingegangen.

Nur wenn wir bei uns sind, können wir uns also miteinander verbinden. 

Fassen wir also zusammen:

Wer eine klare Grenze hat und bei sich sein kann, der kann sich auch wahrhaftig mit anderen verbinden. 

Beschäftigt Dich zusätzlich das Thema, dass wir doch eh alle eins sind, wozu dann also Grenzen? Dies ist ein großes Thema, das hier den Rahmen sprengen würde. Ein paar Worte dazu findest Du hier. 

Liebe und Grenzen

Mythos: Mit Grenzen weise ich Menschen per se ab

Wer klare Grenzen setzt, wird nicht automatisch zu Teflon, sodass kein Mensch mehr an ihn ran kommt. Ich denke, dass ist aus den diversen Beispielen bereits deutlich geworden. Eine Grenze kann jedoch vor Menschen schützen, die einem nicht gut tun. Diese muss man nicht an sich ran lassen. Und wenn ein Kontakt unausweichlich sein sollte, dann können klare Grenzen zumindest helfen, deutlich zu kommunizieren, was okay ist und was nicht. 

Schauen wir uns auch dazu ein Beispiel an. Nehmen wir an Thorsten ist bei einem Seminar. Er spürt, mit wem er auf einer Wellenlänge ist und mit wem nicht. Martin versucht mit Thorsten in Kontakt zu treten. Thorsten schwingt jedoch nicht mit ihm mit und fühlt sich eher bedrängt. Er beendet daher das Gespräche möglichst zügig, wenn auch höflich. Anschließend wendet sich Martin anderen Seminarteilnehmern zu. Thorsten tauscht sich mit jenen aus, mit denen es zwischenmenschlich von vornherein „passt“. Indem er also Martin „abgewiesen“ hat, hat er nun die Möglichkeit, die Zeit des Seminars zu nutzen, um sich mit jenen auszutauschen, mit denen er mehr auf einer Wellenlänge ist.

Es wird natürlich nicht jedem gefallen, wenn ihm oder ihr eine solche Grenze aufgezeigt wird. Solange dies respektvoll erfolgt, ist es jedoch das Problem des anderen damit umzugehen. Wir sind nicht verantwortlich für die Gefühle unseres Gegenübers. Eine klare Grenze hilft dann, nicht die Reaktion des anderen zum eigenen Problem zu machen. 

Grenzen ermöglichen also bewusst zu entscheiden, mit wem man im Austausch sein möchte oder auch wie intensiv.

Mythos: Grenzen setzen ist gemein oder gar egoistisch 

Wen diese Überzeugung davon abhält, sich mit seinen Grenzen zu befassen, der hat gute Karten keinesfalls egoistisch zu handeln. Egoistisches Verhalten wird meist mit rücksichtslosem Verhalten gleichgesetzt. Menschen werden als egoistisch bezeichnet, die nur ihren eigenen Nutzen im Sinn haben.

Wer also eh schon so „gestrickt“ ist, bloß nicht egoistisch sein zu wollen, der wird es sicherlich auch nicht werden. Denn wer Grenzen setzt, wird nicht automatisch egoistisch und rücksichtslos gegenüber anderen. Ganz im Gegenteil!

Erinnern wir uns noch einmal an das Ergebnis von Brené Browns Forschungen: Grenzen sind die Voraussetzung für Mitgefühl und Empathie.

Wenn man beginnt, sich bewusst mit seinen Grenzen zu befassen, so ist das natürlich anfangs dennoch ungewohnt. Mir hat damals die Metapher sehr geholfen, dass ich im Flugzeug bei einem Notfall auch erst mir selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen muss, um anderen überhaupt helfen zu können. Tue ich das nicht, würde mir die Luft ausgehen. Grenzen helfen mir also, für mich selbst zu sorgen und so dann auch für andere da sein zu können. 

Früher war ich rücksichtslos mir selbst gegenüber. Heute respektiere ich mich selbst mit meinen Grenzen und kann so auch mein Gegenüber mit seinen oder ihren Grenzen akzeptieren. 

Zurück zum „Egoismus“: Wenn man beginnt, Grenzen zu setzen, kann es natürlich vorkommen, dass einem vorgeworfen wird: „Du bist egoistisch“. Lass uns ein Beispiel dazu anschauen:

Lea hat bisher zu allem „ja“ gesagt und war immer zur Stelle, wenn ihre Freundinnen sie gerufen haben. Da sich das bei ihr sogar schon aufopfernde Verhalten mittlerweile gesundheitlich bemerkbar macht, beginnt sie, sich mit ihren Grenzen zu befassen. Langsam versucht sie hin und wieder „nein“ zu sagen. Dieses Verhalten ist für ihre Freundinnen ungewohnt. Ihre Beziehungsdynamik zeichnete sich bisher dadurch aus, dass Lea sich für sie aufopferte. Ihre Abgrenzungsversuche irritieren ihre Freundinnen. Diese werfen ihr schließlich vor, sie sei egoistisch – ohne selbst zu merken, dass sie ihre Bedürfnisse ohne Rücksicht auf Lea durchzusetzen versuchen.

Dieses Beispiel habe ich bewusst so gewählt, um eine mögliche Herausforderung darzustellen, wenn jemand beginnt, Grenzen aufzuzeigen. Dies muss jedoch nicht bei jeder Beziehung der Fall sein. Jede Beziehung ist anders und jede Dynamik variiert. Alle Beteiligten wirken darauf ein. In diesem Beispiel möchte ich jedoch aufzeigen, dass solche Reaktionen zu eben diesem Vorwurf „Du bist egoistisch“ führen können – selbst wenn dieser nicht zutrifft. Denn wenn sich jemand bisher stets aufgeopfert hat, das Leben anderer also stets überall mit einbezogen wird, so ist es höchst unwahrscheinlich nun rücksichtslos nur noch die eigene Bedürfnisse und Wünsche durchsetzen zu wollen.

Wenn wir klare Grenzen haben, werden wir also nicht automatisch zu einem „schlechten Menschen“. Und was hat denn die Welt davon, wenn sich jemand zu Grunde richtet, indem sich der- oder diejenige aufopfert bis nichts mehr geht? 

Ein gesundes Miteinander bedarf auch gesunder Grenzen.

Grenzensetzen

Unsere Ich-Grenze beeinflusst uns und unsere Beziehungen – ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht 

Wie ich eingangs bereits beschrieben habe, hat die Ich-Grenze verschiedene Funktionen. Beispielsweise beeinflusst sie, was zu uns gehört und was nicht, wie wir im Leben stehen bzw. wie wir auf andere wirken, was wir zu uns rein lassen und was nicht, wie wir im Austausch agieren und ob wir uns geborgen fühlen.

Die Auswirkungen habe ich in diesem Beitrag an Beispielen aufgezeigt. Es sollte dadurch deutlich geworden sein, dass die Ich-Grenze maßgeblich unser Leben beeinflusst. Unabhängig davon, ob wir uns bewusst oder unbewusst bereits mit unserer Grenze befasst haben. Fakt ist: wir haben alle eine. Die Frage ist nur: wie ist sie jeweils beschaffen? Wie wirkt sie? Was filtert sie und was nicht? Ist sie klar oder diffus? Bietet sie Schutz und das Gefühl von Geborgenheit oder nicht?

Es sollte auch sehr deutlich geworden sein, dass die Ich-Grenze auf jeden Fall unsere Begegnung mit anderen beeinflusst.

Auch wenn ich es an anderer Stelle bereits geschrieben habe, wiederhole ich es hier gerne:

Nur wer
ein klares Bewusstsein für seine Grenze hat,
weiß, was seins ist und was nicht,
sich angenommen hat, so wie er ist,
bei sich sein kann und
achtsam in der Begegnung ist,
kann sich wahrhaftig mit anderen verbinden.

Bist Du neugierig auf Deine Ich-Grenze geworden? Und möchtest Du erforschen, wie sie sich in Deinem Leben auswirkt? Wenn Du Deine Aufmerksamkeit dafür sensibilisieren willst und bewusster im Umgang mit Dir und mit anderen werden möchtest, dann sei gerne beim nächsten Online-Intensiv-Training „Bei mir sein. Meinen Innenraum und meine Grenze bewusst gestalten“ dabei. Mitte September geht es wieder los. Hier erfährst Du mehr.

Ich wünsche Dir, dass Du gut bei Dir sein kannst, und dass wahrhaftige Verbindungen Dein Leben bereichern!

Alles Liebe 

Chris

Bilder: Pixabay

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